Theaterpädagogik

Workshops

Der Taupunkt e.V. möchte dabei helfen, dass Menschen nicht nur passiv im Theater sitzen – sondern aktiv teilhaben. Daran arbeiten wir auch mit Kindern aus benachteiligten Haushalten, Kindern mit speziellen Bedürfnissen und Kindern mit interkulturellem Hintergrund. Wir bieten kurze Workshops und Interventionen sowie fortlaufende Kooperationen und Projekte für pädagogische Einrichtungen an.

Unsere Leiterin, Heda Bayer, ausgebildet in Schauspiel und Theaterpädagogik, hat in unzähligen Projekten in Chemnitz und europaweit vielfältige Praxiserfahrungen gesammelt und berät Sie gern. Von Projekttagen über Museumspädagogik bis hin zu Integrationsworkshops können wir Ihnen verschiedene Angebote machen. Bei Interesse schreiben Sie uns.


Ein Beispiel: „Tanzend zueinander finden“

Die Körpersprache entdecken: Bei diesem Prozess hat das Projekt „Tanzend zueinander finden“ 2020 bis 2021 die Kinder und Pädagog*innen der Chemnitzer KiTa Fridolin theaterpädagogisch begleitet. Dieser Workshop ist ein Beispiel dafür, wie Kinder Tanz und Bewegung zum Kommunizieren einsetzen lernen können.

Teilnehmer und Teilnehmerinnen

  • 20 Kinder
  • 3 bis 5 Jahre alt
  • von den Erzieherinnen ausgewählt
  • vordergründig Kinder, die in verschiedenen Hinsichten benachteiligt sind, z.B. Kinder mit Sprachproblemen, mit Migrationshintergrund und verhaltensauffällige Kinder
  • Erzieher*innen und Leiterin
  • zwei Theaterpädagog*innen

Die KiTa liegt in einem der am stärksten von Armut betroffenen Stadteile von Chemnitz. Hier werden viele traumatisierte Kinder aus Flüchtlingsfamilien betreut, aber auch Kinder, die geprägt sind durch das Erleben von Armut, Kriminalität, Vernachlässigung und den Kampf zwischen rechtsextremistischen Gruppierungen und Migrant*innen.

Hintergrund

Im Kern des Projekts stand Kommunikation frei von Sprachbarrieren – zwischen den Theaterpädagog*innen und den Kindern, aber auch unter den Kindern. Gearbeitet wurde nach den Prinzipien des Physical Training für die Allerkleinsten sowie theater- und tanzpädagogischen Prinzipien.

Bereits die Kleinsten an Tanz und Theater heranzuführen, ist nicht nur wichtig, weil es für für einige die ersten Berührungspunkte mit dem Theater überhaupt sind, sondern es fördert sie auch enorm in ihrer Entwicklung – motorisch und sozial.

Die Kooperation mit der KiTa Fridolin war nicht zufällig gewählt worden. Uns war es wichtig, gerade an diesen Ort mithilfe von Theater und Tanzpädagogik eine Kommunikation zu ermöglichen, die Themen wie Zusammenklang, Zusammenfinden, Zugehörigkeit, Ankommen, Pflege, Empathie und Gleichstellung behandelt und sie erleb- und erforschbar macht.

Ablauf

„Tanzend zueinander finden“ war in drei Teilprojekte untergliedert:

  • ein Impulstag, an dem sich die Kinder und die Theaterpädagog*innen auf nonverbale Art kennenlernten und auf Entdeckungsreise zur Körpersprache gingen
  • das Kursangebot mit 11 Workshops, in denen ein Theaterstück erarbeitet wurde und einem Theaterbesuch
  • sowie das Intensivangebot mit Generalprobe und Präsentation des entstandenen Theaterstücks.

Inhalt

Unter dem Titel „Insektenwelt“ wurden Beispiele aus der Natur als Vorbild für soziales Verhalten herangezogen. Das Verhalten der Insekten bietet wunderbare Bilder und zeigt Modelle gut funktionierender Gesellschaften auf. Insekten leben in verschiedenen sozialen Gruppen, die füreinander sorgen und sich um die Schwächsten kümmern – mit dem Ziel, als Gruppe zu bestehen.

Verschiedene Kommunikationsformen und Bewegungsmuster wurden gemeinsam besprochen und nachgeahmt. Wir konnten sehr viele originelle Beispiele dafür entdecken, wie abhängig wir voneinander sind und wie wichtig es für die ganze Gruppe ist, aufeinander zu achten: was Gruppendynamik beeinflussen kann, aber auch, welche Kraft man entwickeln kann, wenn man zusammenarbeitet.

Wirkung

Aufgrund des Corona-Lockdowns Ende 2020 wurde das Projekt zunächst gestoppt. Die Proben konnten nach fast einjähriger Pause wieder aufgenommen werden. Wir befürchteten, aufgrund des jungen Alters der Kinder wieder von vorne anfangen zu müssen. Umso überraschter konnten wir feststellen, wie tief sich das Erlebte bei den Kindern eingeprägt hatte. Mit einer kleinen Auffrischung kam vieles wieder zurück.

Vor allem das Ankommen der Kinder aus anderen Ländern, der Zugang zur neuen Heimat, der neuen Gesellschaft und einer neuen Sprache wurde vom pädagogischen Personal der KiTa als großer Erfolg gesehen. Weiterhin wurde eine verbesserte Motorik festgestellt und Lust an Bewegung und Tanz geweckt. Auch während der langen Projektpause wurden sie weiterhin von den Kindern verlangt und verfolgt.

Im Laufe des intensiven Workshops sind die Kinder aufgeschlossener und selbstbewusster aufgetreten. Einige Kinder konnten sich innerhalb der Gruppe endlich öffnen. Schritt für Schritt trauten sich einige, eigene Vorschläge einzubringen und auch durchzusetzen.

Andere Kinder, die an einem Mangel an Aufmerksamkeit leiden und im Alltag laut und wild sind, konnten sich beruhigen und im Tanz Entspannung und Geborgenheit finden. Viel gelacht wurde auch.

Die Abschlusspräsentation fand nicht wie geplant im Weltecho, sondern auch in der KiTa Fridolin – leider nicht öffentlich und ohne Eltern – statt. Dafür waren die Kinder und Erzieher*innen der anderen KiTa-Gruppen als Publikum dabei.

„Es war besonders, miterleben zu können, wie Kinder aus überwiegend benachteiligten Familienverhältnissen einfühlsam, phantasievoll und kreativ Zugang zu ihren eigenen Emotionen fanden und Inspiration erhielten, diese körperlich zu äußern.“

Feedback der KiTa Fridolin, November 2021

Wir sind sehr glücklich über die Ergebnisse und dass wir in der schwierigen Pandemiezeit, wo solche Projekte noch wichtiger sind, unseren Beitrag leisten konnten.

Das Projekt wurde vom Programm „tanz + theater machen stark“ finanziert. Wir danken für die Unterstützung!


Amateur-Theater

Außerdem betreut Taupunkt e.V. eine wöchentliche Amateur-Theatergruppe für Erwachsene, ein Theaterlabor für verschiedene Techniken zwischen Schauspiel und Tanz. Mitglieder dieser Gruppe haben bereits in externen Produktionen mitgewirkt und 2018 mit “Duft” sogar Ihr eigenes Stück auf die Bühne gebracht.